10 Gründe gegen Freiberuflichkeit

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Freiberufler sein ist das non plus ultra. Der Titel des heutigen Posts steht im kompletten Gegensatz von dem, was ich mit diesem Blog erreichen möchte. Aber bitte lies es Dir bis zum Ende durch.

Dies sind Erfahrungen, die ich selber seit 1.5 Jahren mache und ich erlebe es live mit, bei einem Freiberufler, für den ich die Buchhaltung mache. Er hat etwa 2015 mit seiner Selbständigkeit angefangen. Nennen wir ihn einfach Freiberufler A.

Lange Rede, kurzer Sinn. Hier kommen meine TOP 10 der hässlichsten Seiten der Selbständigkeit als Freelancer, über die niemand reden möchte. Es ist nicht so glorreich, wie man es immer darstellt.

Sein eigener Boss sein, mehr Freizeit, mehr Geld…ein rundum glückliches Leben. Freiberufler sein ist der Traum schlechthin.

Hier kommen die TOP 10, über die keiner aussprechen möchte, es aber tun sollte. Denk bitte daran, dass dieser Beitrag nicht dafür da ist, um Dich abzuschrecken. Ich finde, man sollte auch einmal die hässlichen Seite sehen, bevor man sich für etwas entscheidet.

#1 Finanzielle Unsicherheit und Existenzängste

Nehmen wir an, Du bist ein Ottonormalverbraucher und hast jetzt keine Millionen hinter Dich. Der Faktor, dem Du besonders Achtung schenken solltest, ist der finanzielle Faktor.

Essen, Wohnung, Strom, Kleidungen…all das möchte irgendwie bezahlt werden.

Du bist es gewohnt, monatlich pünktlich Dein Gehalt auf dein Konto zu erhalten. Jeder beschwert sich, wie wenig es ist. Aber eines sag ich Dir: egal, wie wenig es ist, Du hast eine finanzielle Sicherheit und damit eine Planungssicherheit. Die nötigsten Kosten können mit dem regelmäßigen Gehalt gedeckt werden.

Nun musst Du das Geld selbst aufbringen. Kommen keine Aufträge rein oder zahlen Deine Kunden nicht…was glaubst Du, wie schnell Du um Deine Existenz bangen muss?

#2 Planungsunsicherheit

Wie in #1 bereits erwähnt, ist es schwer, etwas für die Zukunft zu planen, wenn kein regelmäßiges Einkommen vorhanden ist. Urlaub, kurz oder lang, Geburtstag oder andere Festlichkeiten. Oder einfach nur einmal nett mit Freunden auswärts essen gehen. Das alles ist nicht mehr so einfach möglich. Ein Freiberufler hat es nicht leicht.

#3 Kostenfaktor Soziale Abgaben

Bisher hatte der Arbeitgeber die Hälfte Deiner sozialen Abgaben übernommen. Da Du nun selbständig bist, musst Du diese Kosten selbst übernehmen. Wenn Du Dir einmal Deine Gehaltsabrechnung genau anschaust, dann siehst Du ja eine Menge Abzüge:

  • Rentenversicherung
  • Krankenkassenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Arbeitslosenversicherung

Ein grober Überschlag: rechne diese Position zusammen und verdoppel sie. Das ist eine ungefähre Summe, die Du selbst stemmen musst.

Du kannst Dir einmal zum Spaß bei der Techniker Krankenkasse den Betrag ausrechnen lassen, den Du bei Selbständigkeit zahlen müsstest. Ich habe es getan und sollte etwa 600 € pro Monat bezahlen. Das ist eine hohe Summe, wenn nicht einmal zahlende Kunden vorhanden sind.


#4 Zeit

Der Traum von der Selbständigkeit, um mehr Zeit für sich zu haben. Sorry, aber das ist eher eine Fantasie und entspricht keinesfalls der Wirklichkeit. Es wird gesagt, die ersten 5 Jahre sind die härtesten und ich stimme zu. Ich erlebe live mit und habe dies auch selbst erfahren. Ich arbeite seit fast 12 Jahren Vollzeit. Bei diesem Job muss ich sehr oft länger arbeiten. Zudem muss ich täglich mindestens eine Stunde pendeln. Danach habe ich noch bis 9 Uhr an meiner Selbständigkeit gearbeitet und bin dann um 10 Uhr ins Bett gegangen, da ich am nächsten Morgen um 5 Uhr geweckt werde.

Kundenaquise, Aufträge suchen, Buchhaltung für den einen Kunden machen, den ich habe, sich eine online Präsenz erarbeiten (Homepage, Logo, der gesamte Auftritt halt) und vieles mehr…das alles sind zeitintensive Arbeiten, die Dir keiner abnimmt. Interne Jobs wie deine eigene Buchhaltung machen oder Kunden suchen werden nicht bezahlt. Sind aber ein notwendiges Übel. Bei A ist es noch schlimmer. Er hat glücklicherweise schon einige Kunden, aber dennoch arbeitet auch er bis 10 Uhr abends.

Zudem leidet das soziale Umfeld. Du hast einfach nicht mehr die Zeit, Dich mal mit Freunden zu treffen. Du hast phasenweise nicht einmal mehr Zeit für Dich oder Deinen Partner.

#5 Belastung

Die Belastung liegt nicht nur bei einem selbst, sondern wirkt sich auch auf Deine nähere Umgebung aus. Direkt betroffen ist der Partner.  Die Faktoren oben betreffen auch ihn/ sie. Wenn dieser kein Verständnis dafür hat, wird es schwer werden. Und auch wenn er oder sie darauf gefasst ist, kann es dennoch schwierig werden. Natürlich unterstützt Du, aber wie lange geht das gut? Es ist einfach, zu sagen, dass man voll hinter dem anderen steht. Aber wie schaut es in der Realität aus? Wenn es darauf ankommt?

Die psychische Belastung der vorigen Faktoren, insbesondere #1, solltest Du nicht unterschätzen.

#7 Zahlungsmoral der Kunden

Es ist soweit. Du hast einige Kundenaufträge erhalten und kannst nun endlich Deine Rechnung schreiben. Alles schön und gut. Nun geht es ans Warten. Es gibt selten Kunden, die sofort die Rechnung begleichen. Dies bedeutet, dass Du bis zu einem Monat warten musst, bis das Geld auf Deinem Konto zu sehen ist.

Warum mindestens einen Monat?

Es ist üblich, dass Du dem Kunden eine Frist von 2 Wochen gewährst. Sind diese um, schickst Du ihm eine 1. Zahlungserinnerung. Dann nach einer Woche eine 2. Zahlungserinnerung und anschließend eine 1. und 2.  Mahnung. Jeder dieser Stufe dauert etwa 1 Woche.

    1. Rechnung: 2 Woche
    1. Zahlungserinnerung: 1 Woche
    2. Zahlungserinnerung: 1 Woche
    1. Mahnung: 1 Woche
    2. Mahnung: 1 Woche

Natürlich kannst Du auch direkt zur Mahnung übergeben, aber es ist üblich, die Kunden freundlich zu erinnern. Du möchtest schließlich weiter mit ihnen arbeiten. Im schlimmsten Fall musst Du nun anhand dieses Schemas 6 Wochen auf das Geld warten. Daher musst Du Dir stets einen Puffer schaffen, damit Du solche Wartephasen überstehen kannst.

#9 Krankheitsausfall

Jeder wird früher oder später einmal krank. Bei einem Angestelltenverhältnis wird Dir dennoch das Gehalt ohne Abzug der Krankheitstage gezahlt. Dies wird bei einer Selbständigkeit nicht sein. Keiner wird für Dich das Geld für diese Tage zahlen. Daher musst Du stets einen Puffer bereithalten, damit Du deine Fixkosten wenigstens zahlen kannst.

#10 Kreditwürdigkeit

Möchtest Du ein neues Auto? Oder ein Haus für Deine Familie? Die Bank gewährt Selbständigen keinen Kredit.

Das Risiko, dass das Geld niemals mehr zurückkommt, ist zu groß. Aus der Sicht eines Geldgebers ist dies vollkommen berechtigt. Dennoch bleibt es für den Selbständigen sehr bitter.

Das sind meine TOP 10 an hässlichen Seiten der Selbständigkeit als Freelancer.

Ich möchte niemanden davon abbringen, selbständig zu werden. Ich bin trotz allem dafür, dass man etwas Eigenes aufbaut. Es gibt mehrere Arten von Selbständigkeit. Für mich aber habe ich entschieden, dass ich kein Freelancer sein möchte, der von Kundenaufträgen abhängig ist. Ich möchte lieber mit meiner eigenen Marke Geld verdienen. Natürlich wäre dies auch eine Selbständigkeit und alle obigen Punkte würden dann auch auf mich zukommen. Allerdings ich handhabe es nun so, dass ich meine Marke neben meiner Vollzeitstelle aufbaue, damit ich wenigsten finanziell abgesichert bin. Wenn dieses Projekt nämlich nichts wird, dann ist es kein allzu großer Verlust.

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